Allgemeine Bauzeitung; 2009

In Kölner Heizkraftwerk:

Turbinentisch erschütterungsfrei abgebrochen

Köln (ABZ). -Im Rahmen von Sanierungsmaßnahmen in einem Kölner Heizkraftwerk sollte ein Turbinentisch komplett abgebrochen werden. Insgesamt waren 1000 Tonnen Beton mit unterschiedlichem Bewehrungsgrad erschütterungsfrei abzubrechen. Die vorhandene Betonskelett-Konstruktion mit einer Grundfläche von circa 28 x 10 Meter reichte vom Untergeschoß bis in circa 11 Meter Höhe. Hier befand sich der eigentliche Turbinentisch mit einer Betonstärke von 2,00 Meter, der mit seinen ringformig umlaufenden und querverlaufenden Betonelementen etwa 75% der Gesamtfläche bedeckte und auf 12 Betonstützen ruhte. Unterhalb einer mittig liegenden öffnung stand im Untergeschoß ein circa 2,50 Meter hoher Schwerlasttisch, der ebenso abgebrochen werden sollte wie die vorhandenen Teildeckenflächen und Wände in den Zwischenebenen. Zusätzlich war der an einer Längsseite auskragende L-förmige Betonkanal abzutrennen.

Das von der Fa. Hermann Schützeichel aus Straßenhaus maßgeblich erarbeitete Abbruchkonzept wurde dem Bauherrn dargelegt und vor Ort ausgiebig erörtert. Schließlich erhielt das Westerwälder Fachunternehmen als Nachunternehmer den Zuschlag für den erschütterungsfreien Abbruch des kompletten Turbinentisches einschließlich der vorhandenen Nebenkonstruktionen. Da durch das beteiligte Ingenieurbüro Jünger eine umfangreiche Prüfstatik zu erstellen war, konnte der Abbruch des Turbinentisches nicht wie geplant begonnen werden. Der für das Einteilen der Betonblöcke, Berechnen der Einzelgewichte und das damit verbundene exakte Festlegen der Trennschnitte und Kernbohrungen erforderliche Zeitaufwand zögerte den eigentlichen Abbruchbeginn fast 2 Wochen hinaus. Um den möglichen Zeitverlust zu minimieren und eventuelle Terminschwierigkeiten zu vermeiden, wurden Abbrucharbeiten ausgeführt, die zu diesem Zeitpunkt unabhängig von der Prüfstatik waren. So wurde der Abbruch des vorhandenen Schwerlasttisches im Untergeschoß durchgeführt. Diese 38m² große auf Stützen von 1,10x0,80m ruhende Deckenfläche wurde in mehrere Teile zertrennt und die einzelnen Betonteile anschließend mitsamt den unterseitigen und dort bodennah horizontal abgetrennten Betonstützen weggehoben. Zusätzlich entfernte man die in 11 Metern Höhe vorhandene L-förmige Betonauskragung des ölrohrkanals auf einer Länge von 28 Metern und man stellte die für die Aufhänge- und Seildurchführlöcher notwendigen Kernbohrungen her.

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Nach dem Fertigstellen der Prüfstatik konnte der eigentliche Abbruch des Turbinentisches beginnen. Es wurde auf Schichtbetrieb umgestellt, und man fuhr zusätzlich Nachtschichten. Das vor Ort eingesetzte Personal wurde wegen der Absturzgefahr ausführlich eingewiesen. Die zusätzlichen Unfallgefahren bei Nachtarbeit und das Hantieren mit den bis zu 70 Tonnen schweren Betonteilen erforderten eine äußerst umsichtige Arbeitsweise und einen streng am Abbruchplan orientierten Arbeitsablauf. Nach dem Festlegen der Schnittlinien und dem exakten Einmessen der für das Durchführen von Schwerlastketten notwendigen Kernbohrungen wurde ein äußeres Drittel des 11 Meter hohen Turbinentisches mit den teils vorhandenen Zwischenebenen sukkzessive von oben nach unten abgebrochen. Die so auf Untergeschoßebene entstehende freie Fläche sollte zum Ablegen und weiteren Zerschneiden von Betonteilen genutzt werden, da am Halleneingang aus statischen Gründen lediglich das Lagern von jeweils nur einem 60-Tonnen-Betonteil möglich war. Diese Maßnahme ermöglichte den parallelen Einsatz von drei Seilsägen und beschleunigte den weiteren Fortgang der Arbeiten.

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In den Folgetagen wurde die verbliebene Restfläche des Turbinentisches mit einer Schnitttiefe von 2m in zehn weitere bis zu 70 Tonnen schwere Betonteile zerteilt und mit dem 130-t-Hallenkran weggehoben. Die unterseits vorhandenen 11 Meter hohen Betonstützen wurden anschließend in 3,50 Meter lange Teile getrennt und ebenfalls entfernt. Mit dem Abbruch zweier Teildeckenflächen von 48 beziehungsweise 40m² in diesem Bereich konnte das Schützeichel-Team seine Arbeiten trotz der anfänglichen Verzögerung vor dem bauseits festgesetzten Endtermin fertigstellen.

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Zum Einsatz kamen zwei Seilsägemaschinen Marke Plattner und eine Tyrolit-Seilsäge, die mit Diamantseilen von Tyrolit, Dr.Schulze und Hilti bestückt wurden. Je nach Bewehrungsgrad des Betons waren die Schnittfreudigkeit und die Standzeiten aller eingesetzten Seile unterschiedlich, jedoch ergaben sich letztendlich nach Firmenangaben bei den Werkzeugkosten nur geringe Differenzen. Die Standzeit der eingesetzten Diamantseile betrug zwischen 0,30 bis 0,70 m² Schnittfläche pro Meter Seil. Bei starker Bewehrung und sehr engen Umschlingungsradien sank die Standzeit auch unter diesen Wert.

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Das Resume des Geschäftsführers Klaus Schützeichel: "Ein nicht alltäglicher Auftrag, der uns trotz aller Fach- und Sachkenntnisse stark gefordert hat. Eine gute Vorbereitung sowie die streng am Abbruchplan orientierte und umsichtige Arbeitsweise meiner Mitarbeiter führten bei dieser Abbruchmaßnahme nicht nur zum Erfolg, sondern die Arbeiten konnten sogar fast 2 Wochen früher als geplant beendet werden."


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