Sonderdruck aus IDR Industrie Diamanten Rundschau 32; Nr. 1; März 1998

Diamantseilsägen für den Denkmalschutz

Neben der Anwendung der Diamantseilsäge-Technologie beim Abbruch von Beton, greift auch der Denkmalschutz immer häufiger auf dieses schonende Trennverfahren zurück. Ein Einsatzfall ergab sich an der A4 nahe Gotha, wo aus Brückenwiderlagern die denkmalgeschützten Wappen und Schriftzüge zur späteren Verwendung entfernt werden mußten.

Im Zuge des Straßenbauprogrammes "Deutsche Einheit" wird auch die Bundesautobahn A4 zwischen Eisenach und Dresden sechsspurig ausgebaut. Allerdings stehen am Streckenabschnitt nahe dem thüringischen Waltershausen zwei Brückenwiderlager einer ehemaligen Eisenbahnbrücke der Erweiterung im Wege. Um die Jahrhundertwende erbaut, sind beide Bauwerke dem zeitgenössischen Geschmack folgend, mit Wappen und Schriftzügen verkleidet. Eine Sprengung beider Lager konnte wegen der unter Denkmalschutz stehenden Verzierungselemente von vornherein ausgeschlossen werden.

Konzept

Geplant war vom thüringischen Landeskonservator für Denkmalschutz die 3,5 bis 4 m² großen Wappen und die Schriftzüge mit den Abmessungen (L x H) 4,2 x 1 Meter 35 Zentimeter tief herauszuschneiden zu lassen, anschließend die Brückenpfeiler vollständig abzubrechen und die gesicherten Verblendungen in die neuen Brücke zu integrieren. Jeder der Pfeiler besteht aus 1 Meter Sandstein, der auf einen Stahlbetonkern aufgebracht wurde. Wegen des Alters der Bauwerke konnte jedoch über den Grad der Armierungen im Stahlbeton keine genaue Aussage gemacht werden. Aufgrund der quadratischen Abmessungen und der späteren Verwendung der Wappen war eine ebene Schnittfläche mit einer maximalen lotrechten Abweichung von einem Zentimeter gefordert. Zwei bereits mit der Ausführung der Schnitte beauftragten Firmen versuchten die Wappen mittels Wandsägen herauszuschneiden, mußten aber den Auftrag jeweils wegen des schrägen Schnittverlaufes zurückgeben. Das ausführende Unternehmen, die Hermann Kirchner GmbH & Co. KG, Bad Hersfeld, wandte sich daraufhin an die Hermann Schützeichel GmbH, Straßenhaus, die 1990 in deren Auftrag 1,2 Meter dicke Sandsteinwände zur Trockenlegung des Finanzamtes Bad Hersfeld mit der Seilsägetechnologie durchtrennt hatte.

Ausführung

Die hohen Anforderungen, die die Diamantseilsägetechnik in bezug auf Erschütterungs- und Emissionsschutz erfüllt, ermöglichen auch die schonende Bearbeitung alter Bausubstanzen und die Sicherung historischer Details. Dies trifft insbesondere dort zu, wo dickeres Mauerwerk getrennt werden muß, oder der Sägeplatz nicht gut zugänglich ist. Speziell in der Sanierung historischer Bauteile bietet dieses Verfahren Vorteile, da relativ dünne Schichten lotrecht abgetrennt werden können und eine Schädigung der Substanz weitestgehend vermieden wird. Das entwickelte Konzept sah vor, die Wappen und die Schriftzüge freizuschneiden, mittels einer Rahmenkonstruktion zu sichern und anschließend mit einem Kran herauszuheben. Dazu wurden zunächst mit einer Wandsäge die Wappen umlaufend 14 mm breit und 35 cm tief eingeschnitten. Anschließend wurden mittels eines diamant-bestückten Hohlbohrers außerhalb des Wappens zwei Eckbohrungen eingebracht, durch die das 20 Meter lange Diamantseil umlaufen kann. Mit einer Umfangsgeschwindigkeit von 30 bis 35 m/s konnten die Einschnitte problemlos in den Sandstein eingebracht werden. Die Standzeit des Diamant-Sägeseils betrug an diesem Material 2,5 m² pro Meter Seil. Nach dem Ausführen der Sägeschnitte wird direkt die Rahmenkonstruktion in die Fugen eingesetzt (Bild) und die Wappen mit einem Gewicht von jeweils 12 Tonnen herausgehoben. Die Gesamtarbeitszeit betrug pro Wappen zwei Tage. Zum Entfernen der Schriftzüge wurde ähnlich verfahren. Zunächst wurde der Sandstein umlaufend auf 40 cm Tiefe mit einer diamantbesetzten Wandsäge eingeschnitten und das obere Mauerwerk abgebrochen. Anschließend wurde mit einem Sägeblatt mit 2 Meter Durchmesser ein Vertikalschnitt zur Freilegung der Schriftzüge durchgeführt.

Fazit

Die Diamantwerkzeuge trugen durch das hervorragende Einsatzverhalten zum großen Teil dazu bei, daß das Arbeitsvolumen an den denkmalgeschützten Elementen mit einem vertretbaren Aufwand an Material und Kosten innerhalb des vorgegebenen Zeitrahmens termingerecht fertiggestellt werden konnte. Die denkmalgeschützten Wappen und Schriftzüge wurden ohne Beschädigung zur Zufriedenheit des Landeskonservators aus den Brückenwiderlagern geschnitten und warten derzeit auf den Einbau in den neuen Brückenpfeilern.

Bildnachweis: Hermann Schützeichel GmbH, Straßenhaus.

Dipl.-Ing Klaus Schützeichel ist Geschäftsführer der Hermann Schützeichel GmbH, Straßenhaus.


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