IDR; 32. Jahrgang; 4/98

Pfahlwandabbruch in Saudi-Arabien

Nach weltweiter Suche fanden saudische Auftraggeber in der Hermann Schützeichel GmbH einen Spezialabbruchunternehmen, das die Betonpfahlwände eines Stahlwerks in Jubail schnell und zuverlässig abschneiden konnte. Dabei erforderte der nur im oberen Teil der Baugrubenumfassung durchzuführende Abbruch ein schlüssiges Konzept, um die terminliche Vorgabe der Bauherrn einzuhalten.

Aufgrund der in der Vergangenheit gemachten guten Erfahrungen entschlossen sich die Bauträger in Saudi-Arabien erneut dazu, die Hermann Schützeichel GmbH, Straßenhaus, mit der Durchführung eines schwierigen Abbruchprojekts zu betrauen. Disesmal handelte es sich um ein neuerrichtetes Stahlwerk in Jubail, Saudi-Arabien, wo mehrere Öffnungen von bis zu 20 x 3 Metern in eine bestehende, ca. 1 Meter starke sogenannte Betonpfahlwand geschnitten werden mußten.

Um die Baugrube herzustellen, war als Verbau die Betonpfahwand gesetzt worden, indem am Außenrand 40 Meter tiefe Bohrungen in den Baugrund getrieben und mit Beton ausgegossen worden waren.

Jeder zweite Betonpfahl war mit 20 mm starken Bewehrungsstählen armiert, um dem Erddruck im Fundament standzuhalten. Durch die Überlappung der Pfähle sowie eine zusätzliche Rückverankerung im Baugrund entstand so eine sehr stabile, relativ wasserdichte Baugrubenumfassung. Im Zuge der Arbeiten mußte die Betonpfahlwand für Erweiterungen im oberen Teil nachträglich teilweise entfernt werden.

Durch das von der Hermann Schützeichel GmbH vorgeschlagene Abbruchkonzept ergaben sich geringe Preisvorteile zwischen dem konventionellen Abbruchverfahren und dem absolut erschütterungsfreien Diamantseilsägeverfahren. Da bereits bei der Erstellung der Pfahlwand aufwendige Maßnahmen erforderlich gewesen waren, um die Baugrube gegen eindringendes Grundwasser abzudichten, durften diese nicht durch Erschütterungen beim Abbruch gefährdet werden. Aufgrund der äußerst schonenden Arbeitsweise konnten die Arbeiten nur mit der Diamantseilsäge durchgeführt werden.

Ein weiteres Kriterium bei der Vergabe des Auftrags war neben der Zusage des mit der Ausführung beauftragten Unternehmens, die Arbeiten innerhalb einer Zeitspanne von 14 Tagen zu beenden, auch der Vorteil, daß alle anderen Arbeiten im Bereich der Baugrube nahezu ohne Behinderung weitergeführt werden konnten.

Abbruchkonzept

Die Aufgabe bestand darin, von der bestehenden Baugrubenumfassung rund 100 laufende Meter Betonpfahlwand bis zu 12 Meter tief abzubrechen. Bedingt durch den auf der Baustelle vorhandenen Kran, mußte die zu trennende Betonpfahlwand in 20 Meter lange Abschnitte geschnitten werden, so daß das Teilgewicht der einzelnen Segmente die maximale Tragkraft des Krans nicht überschritt.

Zum Trennen der Betonpfähle wurde ein 40m langes Diamant-Sägeseil eingesetzt, das von einem 22 kW Hydraulikaggregat angetrieben wurde. Nach der Durchführung der einzelnen Schnitte wurden die Betonabschnitte durchbohrt und mit einem Raupenfahrzeug umgezogen (Bild 1).

Zu Beginn der Arbeiten wurden Diamantseile verschiedener Hersteller aus Korea, Österreich und Deutschland getestet, wobei merkliche Unterschiede hinsichtlich Leistungsverhalten und Standzeit festgestellt wurden. Während bei dem asiatischen Werkzeug ein schweres Anfahren des Seilsystems beobachtet wurde, schoben sich die Röllchen des österreichischen Produkts beim geringsten Einhaken zusammen, so daß keine zufriedenstellende Standzeit erreicht werden konnte. Mit dem in Deutschland hergestellten Diamant-Sägeseil wurde eine Schnittleistung von 10m/Tag erreicht, so daß die Arbeiten termingerecht nach 10 Tagen abgeschlossen werden konnten (Bild 2).

Die Standzeit dieses Seiles betrug trotz der in den "Vollpfählen" angetroffenen starken Armierung (Bild 3) 3 m2/m Seil.

Bildnachweis: Hermann Schützeichel GmbH, Straßenhaus.


Impressum   ·   eMail an info@schuetzeichel.com   ·   design by bitart® - furch & graf GbR   ·   Zuletzt bearbeitet am 16.06.2005



Voriger Artikel Zur Übersicht Nächster Artikel