Seilsägeschnitte an Bunkeranlage mit Wandstärken bis 3,60 m

Bei der Erweiterung einer Bunkeranlage am Niederrhein sollten 6 neuen Zugangsöffnungen an den Seitenwänden des alten Bunkers sowie in dessen Innenbereich weitere Wand- und Deckenöffnungen hergestellt werden.

Die Hermann Schützeichel GmbH aus Straßenhaus/Westerwald konnte sich hier den Zuschlag sichern und bekam den Auftrag zur Ausführung dieser Arbeiten. Bei den über mehrere Monate verteilten Arbeiten sollten insgesamt etwa 320 m³ Betonwände und -decken geschnitten werden. Der Abbruchplan sah im Übergangsbereich von Alt- zum Neubau sechs Öffnungen von 2,20 m x 4,50 m vor, wobei die Wandstärke zwischen 3,05 m bzw. 3,60m betrug. Drei ähnlich große Öffnungen waren im Innenbereich herzustellen jedoch mit einer Wandstärke von lediglich 90 cm.

Die drei ersten Öffnungen von 2,20 x 4,50 x 3,60m lagen fast ebenerdig mit der Basisbodenplatte des Erweiterungsbaus und es mußten zuerst die vorhandenen alten Stahlspundwände im Bereich der Öffnungen mit Kernlanzen weggebrannt werden. Nach dem Herstellen der

Kernbohrungen zum Durchführen des Diamantseils wurden die Öffnungen umlaufend in eine leicht konische Form geschnitten. Das komplette Betonteil mit einem Gewicht von etwa 77 Tonnen wurde zusätzlich noch einmal horizontal durch einen schräg verlaufenden Teilschnitt getrennt, um den Ausbau der dann immerhin noch 38 Tonnen schweren Betonteile zu erleichtern.

Der eigentliche Ausbau erwies sich dennoch als schwieriges Unterfangen. Deshalb fertigte sich die Hermann Schützeichel GmbH eine abzieherartige Hilfskonstruktion aus zwei parallel laufenden 30cm starken Doppel-T- Trägern, in die eine 200-Tonnen-Hohlkolbenpresse integriert war. Hiermit wurden die Betonteile erst einmal etwa 80cm aus der Wand herausgeschoben. Anschließend wurden sie an einen 180-Tonnen-Autokran angehängt und während des Anhebens gleichzeitig mit einem 10-Tonnen-Kettenzug horizontal unter Zug gesetzt. Nur so konnten die immensen Reibwerte überwunden und die Betonteile weiter aus der Wand herausbewegt werden. Nach dem Herausheben aus der etwa 18 Meter tiefen Baugrube wurde der Beton vor Ort mit dem Felsmeißel zerkleinert und entsorgt.

Die nächsten drei versetzt höher liegenden Öffnungen mit gleichen Maßen konnten vom Innenbereich her auf der darüberliegenden Etage geschnitten werden.

Pro Öffnung betrug die Gesamtschnittfläche ca. 48m2 bei einer Schneidezeit von vier Tagen. Trotz der im vorderen und hinteren Bereich kreuzweise vorhandenen 3-lagigen Eisenbewehrung Ø 22mm im Abstand von jeweils 15 - 50 cm lag die Standzeit des Diamantseils bei etwa 2,5m2 pro Meter Seil. Bemerkenswert an allen vertikalen Schnittflächen war das immer in die gleiche Richtung gehende Verlaufen des Seilsägeschnittes bei kleiner werdendem Umschlingungsdurchmesser unter etwa 1,80 m. Selbst abgeänderte Konstellationen von Sägemaschine, Umlenkrollen usw. konnten dieses Problem nicht gänzlich beseitigen. Möglicherweise ist dieses Phänomen auch dem Wirkungsprinzip der Corioliskraft zuzuschreiben.

Bei den zu schneidenden 6 schrägverlaufenden Öffnungen (0,70cm x 0,80 cm) mit einer Wandstärke von etwa 3,05 Meter waren die Standzeiten bei allen eingesetzten Seilen durchweg schlecht, obwohl die Vorgaben bezüglich Schnittgeschwindigkeit, Seildrall, Wassermenge und Zugkraft eingehalten wurden. Als Ursache ist hier wohl der enge Umschlingungsradius während des gesamten Schneidvorgangs anzusehen. Die Standzeiten lagen lediglich bei 0,3 - 0,5 m² pro Meter Seillänge. Keiner der Diamantseil-Hersteller konnte eine zufriedenstellende Lösung bieten, sodaß die Werkzeugkosten hier den üblichen Rahmen sprengten.

Neben 12 weiteren Türöffnungen und 4 Pumpensümpfen ist noch eine Deckenöffnung von 50 x 1,85 x 0,40m herzustellen. Einschließlich der im Terminplan vorgesehenen planmäßigen Unterbrechungen sollen die Arbeiten bis Ende Mai andauern.

Bildnachweis: Hermann Schützeichel GmbH, Straßenhaus.


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