Sonderdruck aus IDR Industrie Diamanten Rundschau 31; Nr. 2; Juni 1997

Brückenabbruch mit Diamant-Sägeseil

Trotz Teileinsturzes einer neugebauten Brücke, sollten für den Wiederaufbau unbeschädigte Elemente erneut in die Konstruktion mit einbezogen werden. Für den schonenden Abbruch von 1400 Tonnen Beton ist der Einsatz von Diamantwerkzeugen ohne Alternative. Dieser Bericht beschreibt die Anforderungen, die beim Einsatz an Werkzeug und Material gestellt wurden.

Neubauprojekte sind für Abbrucharbeiten in der Regel kein Betätigungsfeld. Eine Ausnahme bildet hier die als Teil einer Umgehungsstraße konzipierte 180 m lange Aartal-Brücke bei Diez, die noch während der Bauarbeiten im November vergangenen Jahres aus bislang ungekärter Ursache einstürzte. Dem Neubau im Weg stand nur noch der 30 m lange und 17 m breite Überrest des dritten Bauabschnittes, der bei dem Einstrurz stehengeblieben war.

Das Problem bestand darin, die beschädigte Brückendecke so schonend abzubauen, daß ein darunter liegendes Leergerüst und die Brückenpfeiler für den Neubau wieder genutzt werden konnten (Bild 1). Bei den Gesamtabmessungen der einzelnen Teile, war allen Beteiligten klar, daß schwerstes Gerät erforderlich war.

Mit der Durchführung der Arbeiten wurde die Hermann Schützeichel GmbH, Straßenhaus, beauftragt. Das Konzept sah vor, unter Einsatz von Diamantwerkzeugen den stehengebliebenen Brückenteil mit sieben Schnitten zu zerlegen und einzeln abzutransportieren. So kommt im Kappenbereich der Brücke bei einer Dicke von 20 bis 60 cm eine Wandsäge zum Einsatz, während für die zu trennenden Dicken von 65 bis maximal 1,47 m die Diamant-Seilsäge zur Anwendung kommt. Dabei wurden zur Ausführung der Arbeiten zwei Seilsägen bereitgestellt, wobei neben der im Eingriff stehenden Anlage die zweite Seilsäge eingerichtet wurde.

Abtransport

Um den Abtransport zu garantieren, mußten pro Platte 8 Bohrungen mit Durchmesser 100 mm 1,2 Meter tief in den Beton gebohrt werden. Extrem nachteilig wirkte sich aus, daß sich durch das Bohren die die Spannstähle umhüllende Injektionsmasse löste und so ein verschleißerhöhendes Freiliegen der Bewehrung zu registrieren war. Nach Fertigstellung der Bohrungen wurde die Traganker mit Durchmesser eingegossen und ausgehärtet. Durch Zugversuche wurde jeder Anker mit 40 t belastet, um die Lastverhältnisse beim Abtransport simulieren zu können. Die Betonstücke wurden mit zwei Spezialkränen mit 800 t und 400 t herausgehoben (Bild 2). Für die Kräne mußte der Untergrund extra vorbereitet werden: Etwa 1,20 m tief wurde der Boden abgetragen und durch Schotter ersetzt, der dann verdichtet wurde.

Ergebnisse

Die Maße der acht getrennten Teile lagen bei einer Dicke von 1,47 m in der Länge zwischen elf und 17, in der Breite zwischen vier und fünf Metern. Das Gewicht der getrennten Betonstücke lag dabei zwischen 160 und 200 Tonnen. Die Trennarbeiten wurden dabei durch die zum Teil lose Bewehrung massiv behindert. So mußten vor Beginn der eigentlichen Arbeiten die restlichen Teile der Ober- und Unterbewehrung separat verspannt werden. Pro Schnitt wurden dann 37 Spannstahlbündel von jeweils 28 mm Durchmesser (ca. 2500 cm²) getrennt, wobei zum Teil auch die eingegossenen Spanngliedmuttern mit Durchmesser 130 mm durchschnitten wurden. Da die Verpressung der einzelnen Spannelemente nicht 100-prozentig erfolgen konnte, lagen zum Teil nicht vorgespannte Spannglieder in der Schnittzone. Dies führte im Schnitt zur Seilklemmung und einem herausbrechen einzelner Schneidröllchen.

Trotz der nicht günstigen Einsatzbedingungen konnte inklusive der Zeit für Einrichten und Umsetzen der Seilsägen immer noch eine zufriedenstellende Standfläche von 2 m² pro Meter Seil erreicht werden. Insgesamt betrug die geschnittene Fläche 114 m². Die Schneidarbeiten konnten mit drei Mitarbeitern in rund neun Tagen fertiggestellt werden. Für das Abheben aller acht Betonteile wurden weitere drei Tage benötigt, so daß an der Fertigstellung der Brücke wieder gearbeitet werden kann.

Wiederaufbau

Dabei wurde der jetzt abgetragene Abschnitt in die bestehende Konstruktion aus Leergerüst und Schalung neu hineingegossen, während für den eingestürzten Abschnitt ein alternativer Gerüstaufbau gewählt wurde. An die Stelle der "Fachwerkträger" treten dort einfache Doppel-T-Träger, die die Schalung über vier statt bisher zwei Joche stützen. Die Lastenverteilung stellt sich bei diesem Bauwerk etwas komplizierter dar, da die Fahrbahn sowohl eine Längs- als auch eine Querneigung aufweist. So liegt die Last auf dem vom Einsturz wahrscheinlich nicht beschädigtem Widerlager.

Insgesamt werden die durch den Einsturz des Bauwerks verursachten Folgekosten auf rund 2,5 Millionen DM geschätzt. Für die endgültige Fertigstellung der mit ursprünglich sechs Millionen DM veranschlagten Brücke wird der Spätherbst des Jahres 1997 angestrebt.

Bildnachweis: Hermann Schützeichel GmbH, Straßenhaus.


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