Sonderdruck aus IDR Industrie Diamanten Rundschau 31; Nr. 3; September 1997

Kernbohren in Saudi-Arabien unter Wasser

Für die Verlegung einer Pipeline im Industriehafen von Djidda mußte eine 6 Meter dicke Kaimauer horizontal durchbohrt werden. Dabei war zur Erstellung eines geeigneten Konzepts der konstruktive Aufbau der Mauer ebenso zu berücksichtigen, wie die Tatsache, daß ein Teil der Bohrungen in 7 bis 8 Metern Wassertiefe durchzuführen war.

Der Überseehafen von Djidda hat wegen seiner Nähe zu den heiligen islamischen Stätten Mekka und Medina als Transportknoten überregionale Bedeutung erlangt. Verkehrsgünstig am Roten Meer gelegen, entwickelte sich der Standort zu einem der größten Industriegebiete Saudi-Arabiens.

Teil dieses Industriekomplexes ist eine neu konzipierte Anlage zur Verarbeitung von Rohzucker, die in umittelbarer Nähe der Hafenanlagen angesiedelt ist. Der komplette Warenumschlag der Zuckerfabrik wird über den Industriehafen abgewickelt. Um das Entladen der Schiffe zu beschleunigen und gleichzeitig die Generatoren des Werkes mit Kühlwasser zu versorgen beschlossen die Betreiber, zwei direkte Pipelines vom Fabrikgelände zum Hafen zu legen. Im Verlauf dieser Pipelines mußte u. a. auch die sechs Meter dicke Kaimauer durchquert werden.

Die Anfrage, die entsprechenden Bohrungen in den Beton einzubringen, erhielt die Firma Hermann Schützeichel GmbH, Straßenhaus, die bereits seit Jahren über die notwendigen Kenntnisse sowie das technische Know-how verfügt und sich international einen Namen gemacht hat.

Nach kurzfristiger Auftragserteilung wurde innerhalb von zwei Tagen 1,5 Tonnen an Material und Anlagen verpackt und per Luftfracht nach Saudi-Arabien verschickt.

Das Konzept

Gefordert war das Einbringen von vier Kernbohrungen mit einem Durchmesser von jeweils 800 Millimetern, wobei die Arbeiten seeseitig in 7 bis 8 Metern Wassertiefe durchgeführt werden mußten. Die maximal zulässige Abweichung von der Horizontalen wurde pro Bohrung mit 2 Zentimetern angegeben. Erschwerend kam hinzu, daß die Kaimauer selbst aus Beton-Fertigteilen errichtet wurde, die jeweils einen zwei Meter breiten Hohlraum aufwiesen. Um ein Absenken der gesamten Kaimauer zu verhindern, mußte sichergestellt werden, daß die Bohrungen unter allen Umständen durch die Hohlräume gelegt wurden.

Die Arbeiten

Teilweise unter erheblichem Seegang wurde das zur Durchführung der Arbeiten notwendige Anzeichnen durchgeführt. Um die Kernbohrmaschine an der Kaimauer durch Taucher für jeden Arbeitsgang sicher zu befestigen zu lassen (Bild 1), wurden vier Ankerlöcher mit Durchmesser 40 Millimeter in die Mauer gebohrt und M28 Ankerstangen eingesetzt.

Das 40 Kilowatt-Antriebsaggregat sowie die Bohrkronen, beides ein Eigenbau der Firma Schützeichel, befanden sich während der Bohrarbeiten auf der Kaimauer. Für die Kernbergung und das Umsetzen der Kernbohrmaschine wurde ein Kran eingesetzt.

Zu Beginn der Arbeiten wurde bedingt durch die Örtlichkeit eine Bohrkrone mit Durchmesser 800 Millimeter und einer Länge von 1,5 Metern eingesetzt, die zunächst 1 Meter tief vorbohrte. Anschließend wurde mit einer zweiten, 2,5 Meter langen Bohrkrone desselben Durchmessers bis zum Hohlraum durchgebohrt. Alle Arbeiten wurden mit einer Drehzahl von 120 U/min durchgeführt. Nach jedem Bohrgang mußte der Führungsrahmen von der Kaimauer entfernt und an Land gehievt werden, um den Bohrkern zu entfernen (Bild 2).

Beim Bearbeiten unter Wasser treten im Vergleich zum Trennen an Land zwei wesentliche Probleme auf: Zum einen ist die erforderliche Antriebsleistung etwa dreimal so hoch wie an Luft, zum anderen besteht kein Sichtkontakt während der Durchführung der Bohrungen.

Trotz der ungewöhnlichen Einsatzbedingungen konnten die Arbeiten innerhalb von 10 Tagen zur vollsten Zufriedenheit der Auftraggeber durchgeführt werden. Die zur Sicherheit mitgeführten Reserverohre kamen nicht zum Einsatz.

Bildnachweis: Hermann Schützeichel GmbH, Straßenhaus.

Dipl.-Ing. Klaus Schützeichel ist Geschaftsführer der Hermann Schützeichel GmbH, Straßenhaus.


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