Allgemeine Bauzeitung vom 13. Februar 2004

Bei BASF in Ludwigshafen

Hauptabwasserrohr bei laufendem Betrieb durchtrennt

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LUDWIGSHAFEN (ABZ). - Bei BASF in Ludwigshafen sollte im Zuge von Umbaumassnahmen das Hauptabwassserrohr umgeleitet werden. Es wurden am Anfangs- und Endpunkt der errichteten Umleitung jeweils Betonwannen im Bereich des Hauptrohres gegossen, um das Abwasser aufnehmen und umleiten zu können.

Das Hauptabwasserrohr aus Beton, durch das pro Sekunde etwa 4 m teilweise säurehaltiger Abwassercocktail fliessen, musste zu diesem Zweck bei laufendem Betrieb an jeweils vier Stellen durchtrennt werden, um die beiden geschnittenen Kanalteile a 80 t mit einem Querschnitt von 2,85 x 2,75 m und einer Länge von etwa 9 m ausbauen zu können. Die Stärke der Betonwand betrug 40 cm.

Da die in diesem Bereich neu gegossenen Betonwannen nur maximal 360 m fassen konnten, würden sie nach dem Schneiden des im Betrieb befindlichen Hauptkanals binnen weniger Minuten volllaufen, sodass anschliessend die Schneidestellen am Hauptrohr ohne weitgehende Stilllegung von grossen Teilen der Werksproduktion nicht mehr zu erreichen gewesen wären. Es war also ein sicheres Konzept gefragt, das eine kostenintensive großflächige Werksstilllegung ausschloss.

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Die Firma Hermann Schützeichel aus Strassenhaus stellte den Fachingenieuren der BASF das Konzept mit der größten Minimierung des Risikofaktors einer Produktionsstilllegung vor und erhielt schliesslich den Auftrag. Um den Zeit- und Arbeitsaufwand nach dem Anschneiden des Kanalinneren zu minimieren, war vorgesehen, das Kanalrohr erst einmal an den Schnittlinien mit einer Wandsäge vorzuschneiden. Die letztendliche Durchtrennung sollte mit dem Diamantseil erfolgen.

Die etwa 25 cm tiefen und 12mm breiten Vorschnitte wurden an den Schnittlinien jeweils im Abstand von 7 cm doppelt ausgeführt, um im Falle eines Seilklemmers beziehungsweise Seilrisses eine Durchtrennung mit dem danebenliegenden Ersatzschnitt erreichen zu können. Anschliessend wurde in alle Vorschnitte ein Diamantseil eingelegt und der nach Außen liegende Bereich der Schnittlinie versiegelt, um während des Seilsägens dem auftretenden Wasserdruck auch nach dem Anschneiden des Kanalinneren standhalten zu können und so einen zusätzlichen Sicherheitsfaktor zu haben.

Die Seilsägeschnitte an den beiden abzutrennenden Rohrteilen wurden parallel mit zwei Seilsägen ausgeführt und das zu schneidende Teil des Betonrohrs von einem Kran während des Schnittes auf Zug gehalten und anschliessend aus der Betonwanne herausgehoben.

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Die eingesetzten Wandsägeblätter mit Durchmesser 800 mm und 12 mm Schnittbreite eines deutschen Herstellers waren sehr schnittfreudig, erreichten laut Unternehmen jedoch unterschiedliche Standzeiten von 14,3 bzw. 5,2 m, wobei der als etwas abrasiv einzustufende Beton eine maximal mittelstarke Bewehrung aufwies. "Die Differenz der Standzeiten liess sich nicht nachvollziehen. Das eingesetzte Diamantseil mit konischen Diamantperlen zeigte bei guter Schnittgeschwindigkiet einen geringen kaum messbaren Verschleiss, heisst es.

Die Firma Schützeichel konnte aufgrund der vorab durchgeführten Vorschnitte den Zeitaufwand zum letztlichen Abtrennen der beiden Kanalrohrteile auf etwa acht Stunden verkürzen und so den Risikozeitraum nach dem Anschneiden des Rohrinneren einschränken.

"Wir waren von unserem Konzept überzeugt, aber haben trotzdem die ganze Zeit mitgezittert, weil das Diamantseil während des Schneidens die meiste Zeit auch durch das Innere des Abwasserkanals laufen musste und irgendein im Abwasser mitgeschleppter Fremdkörper es abrupt hätte abbremsen und zum Reissen bringen können", so Geschäftsführer Klaus Schützeichel. "Wir hatten Glück und der BASF blieb eine teure Betriebstilllegung erspart."

Bildnachweis: Hermann Schützeichel GmbH, Straßenhaus.


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